Selbstverwirklichung – warum?

Selbstverwirklichung, berufliche Identifikation… und unser Wohlbefinden…

In diesem Beitrag geht es um Selbstverwirklichung, berufliche Identifikation und warum dies für unser Wohlbefinden und für unsere Psyche so wichtig ist.

„Eigentlich bin ich ganz anders, ich komme nur so selten dazu.

Dieses Zitat des Dichters Ödön von Horvath aus dem Volksstück „Zur schönen Aussicht“ aus dem Jahr 1926 und ist von einer unglaublichen Tiefe und Selbstironie.

Hoch empfehlenswert ist übrigens auch die Sendung „Sternstunde Philosophie“ zum Thema Selbstverwirklichung mit dem Philosophen Michael Hampe, der auch Professor für Philosophie an der ETH Zürich ist, die ich dir unter meinem Artikel verlinkt habe.

Wer bin ich?

Diese Frage stellt sich jeder in seinem Leben, denn der Wunsch authentisch zu sein, eine Berufung zu haben, zu wissen wer wir sind, ist unser aller Streben und tiefer innerer Wunsch eines jeden Menschen. Oft ist es nur leider so, dass man auch in jungen Jahren sehr wohl weiß, wofür man sich berufen fühlt oder zumindest wonach man den tiefen inneren Drang verspürt. Leider getraut man sich als junger Mensch nicht immer konsequent, dies zu verwirklichen und „sein Ding zu machen“. Woran liegt das? Einerseits an äußeren Einflüssen und Zwängen, andererseits an Unsicherheit und mangelndem Selbstbewusstsein.

Wo geht es hier “zu mir”?

Für viele Menschen ist es nach dem Wegfallen des von außen ausgeübten Drucks oder zumindest nach dem Nachlassen der äußeren Zwänge wieder möglich auf diese Selbstverwirklichungsstraße zurückzukehren und an brachliegende, ursprüngliche Ziele und tiefe, innere Wünsche erneut anzuknüpfen, die lange verdrängt und zurückgestellt worden waren. So war es beispielsweise bei mir. Die Familie und die Kinder standen lange Zeit an erster Stelle, was sicherlich richtig war, aber es kommt auch der Zeitpunkt, an dem man wieder sich selbst finden muss.

“I want to break free!”

Ganz nach dem Motto: „I want to break free.“ Angst vor der eigenen Courage? Ja, aber man ist immer nur so erfolgreich, wie man stärker als seine eigene Angst ist. Auch das muss man sich immer wieder aufs Neue vergegenwärtigen. Unser Dasein ist endlich, auch dies müssen wir uns immer vor Augen führen. Sterbende bedauern in den meisten Fällen zu wenig das Glück gesucht zu haben.

Bronnie Ware & “Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen”

Die Australierin Bronnie Ware, die jahrelang Sterbende gepflegt hat, hat über dieses Thema ein Buch geschrieben mit dem Titel „Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ aus dem Jahre 2012. Das Link zu diesem Buch – das es übrigens auch als Hörbuch gibt – findest du ebenfalls in den Links unter diesem Beitrag. Übrigens ist sie in den vergangenen Jahren im englischsprachigen Raum ein gefragter Coach und eine inspirierende Speakerin geworden.

Liebe Dich selbst mehr im Hier und Jetzt!

Ihre Botschaft ist eigentlich einfach: Liebe Dich selbst mehr im Hier und Jetzt. Leider bereitet die Umsetzung uns eben Schwierigkeiten aufgrund der „Aufschieberitis“, der Prokrastination, zu der wir alle neigen. Ich möchte Bronnie Ware an dieser Stelle gerne zitieren: „Man sagt sich, das kann ich ja später noch machen. Aber es ist egal, ob man 40, 50 oder 60 ist – der beste Zeitpunkt, etwas anzupacken, ist immer jetzt sofort“. Du musst deinem Herzen folgen und nicht den Erwartungen anderer Menschen. Im Grunde wissen wir dies ja auch alle tief in unserem Inneren, wenn da nicht die berühmte Verdrängung wäre, zu der wir als Menschen fähig sind. Bedauern Nummer eins der Sterbenden: sich nicht selbst treu gewesen zu sein, sondern gelebt zu haben, wie es andere erwarten. Das gibt mir zu denken – dir nicht? Dazu gesellt sich noch ein weiteres Topbedauern: „Ich wünschte, ich hätte mir selbst erlaubt, glücklicher zu sein.“

Was zählt, ist die Dinge zu tun, die dir wichtig sind, egal ob dies ein Erfolg wird oder nicht, damit du nichts bereust im Leben. Auch gibt es keine Misserfolge, sondern nur Erfahrungen. Das heißt, wir bedauern nicht gemachte Erfahrungen später am meisten, denn leid tut dir später etwas nicht versucht zu haben – tausendmal mehr als zu scheitern oder für den Augenblick eine Niederlage akzeptieren zu müssen. Wenn du etwas nicht wagst, wirst du nie erfahren, wie sich die Dinge entwickelt hätten.

Abraham Maslow, die Bedürfnispyramide und die Unterordnung unter gesellschaftliche Erwartungen

In diesem Zusammenhang fällt uns natürlich auch die fünfstufige Bedürfnispyramide von Abraham Maslow ein, die wir alle in der Schule gelernt haben. Gemäß Maslows optimistischer Sicht wird der Mensch in seiner Ganzheit nicht durch niedere Triebe gesteuert, sondern werde „durch ein angeborenes Wachstumspotenzial angetrieben“, um sein höchstes Ziel – die Selbstverwirklichung – zu erreichen. Warum fällt Selbstverwirklichung uns dann so schwer? Dies liegt unter anderem daran, dass wir gelernt haben, uns anzupassen und uns gesellschaftlichen Erwartungen zu beugen, die häufig mit Verboten und Einschränkungen einhergehen.

Selbstverwirklichung – eine Form von Egoismus?

Selbstverwirklichung wird in unserer Gesellschaft oft fälschlicherweise mit Egoismus gleichgesetzt. Warum eigentlich? So hat dieses schöne Wort „Selbst-ver-wirklich-ung“ (also das Streben sich selbst – das eigene Sein – in die Wirklichkeit zu bringen) zu Unrecht einen negativen Beigeschmack. Es ist essenziell, dass wir den Mut finden, unsere eigenen Bedürfnisse zu beachten und zu befriedigen. Diesen Mut zu haben oder nicht hängt eng mit unserem Selbstwertgefühl und unserer Eigenliebe zusammen.
Aber warum geben wir unsere individuellen Bedürfnisse oft lange Zeit nicht vor uns selbst zu?

Angst vor Enttäuschung – Angst vor dem Scheitern?

Ganz einfach: Wir haben Angst vor Enttäuschung, vor dem Scheitern, auch vor dem Alleinsein und Ausgegrenztsein, wenn wir nicht genügend angepasst sind. Zunächst müssen wir unsere Bedürfnisse vor uns selbst zugeben und dann gegen unsere anderen inneren Stimmen durchsetzen. Oder auch gegen andere in unserer Familie oder in unserem näheren Umfeld. Verdrängung ist keine Lösung, da die Unzufriedenheit und das Unerfülltsein dann weiter in deinem Unterbewusstsein an dir nagen. Trete mit dir selbst in einen inneren Dialog. Was ist in den nächsten 10 bis 15 Jahren das Richtige für dich in beruflicher Hinsicht? Oder auch in privater? Oder beides? Oft geht es darum, sich wieder besser mit dem Beruf zu identifizieren. Die Frage nach dem übergeordneten Sinn ist dann bei dir sicherlich auch vorherrschend. Aktualisiere deine Werte und Ziele im Leben wie auch im Beruf. Was ist dir wirklich wichtig? Was möchtest du unbedingt ausprobieren? Welches Ziel möchtest du unbedingt erreichen?

Möchtest du dich wohl fühlen?

Diese innere Bilanz zu ziehen und “in sich zu gehen” ist ein hartes Stück Arbeit. Aber es lohnt sich! Glaube mir! Nur wenn diese Parameter erfüllt sind, kannst du ein glückliches Leben führen und lernen in dir zu ruhen. Fazit: Selbstverwirklichung ist wichtig für dein Wohlbefinden und deine Psyche.

Die Sache mit dem Selbstwertgefühl

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass das Selbstwertgefühl, das in diesem Zusammenhang eine herausragende Rolle spielt, bis zum Alter von 60 Jahren ansteigt und danach wieder abnimmt. Berufstätige, die Erfüllung in ihrer Arbeit finden und gute Beziehungen und liebe Menschen in ihrem Leben haben, haben im Allgemeinen ein besseres Selbstwertgefühl. Laut dem Online-Lexikon für Psychologie und Pädagogik, das ich dir ebenfalls am Ende meines Beitrags verlinkt habe, nimmt laut einer Studie, das Selbstwertgefühl ab dem Alter von 14 Jahren kontinuierlich zu, um im Alter von 60 Jahren einen Spitzenwert zu erreichen und dann bis zum Alter von 80 Jahren leider wieder stetig abzunehmen. Unterschiedliche Jahrgänge unterschieden sich dabei nicht, was Ausmaß oder Verlauf ihres Selbstwertgefühls angeht, laut dieser Studie. Dies finde ich bemerkenswert! Mit einem niedrigen Selbstwertgefühl bist du selbstredend verletzlicher.

Baue auf Selbstliebe und Selbstwertgefühl!

Damit dies nicht passiert und du negativen äußeren Einflüssen widerstehen kannst, solltest du zuerst an deiner Selbstliebe und an deinem Selbstwertgefühl arbeiten und erst im zweiten Schritt deine Selbstverwirklichung in Angriff nehmen. Eigentlich ist das logisch und liegt auf der Hand – nur macht man es sich nicht immer bewusst. Auch mit 60 Jahren und mehr sollte dein Selbstwertgefühl nicht abnehmen müssen zwischen dem 60. und 90. Lebensjahr. Oder bist du anderer Meinung? Es liegt an dir, arbeite an dir!

Bringe dein Sein in die Wirklichkeit!

Führe dir vor Augen, dass das Wort Selbstverwirklichung bedeutet, dass du dein Sein in die Wirklichkeit bringst. Du solltest diesen Begriff also ganz wörtlich nehmen. In diesem Sinne wünsche ich dir eine selbstverwirklichende Zeit mit dir selbst. Und bitte bleib dir selbst treu! Selbstverwirklichung ist ein langsamer Prozess, der auch Mut, Geduld, Zeit und Selbstüberwindung erfordert. Um ein erfülltes und glückliches Leben zu führen – dein Leben eben – musst du stärker sein als die Angst. Mach dir das bewusst und geh in dich! Finde dich und deinen eigenen Weg, egal was die anderen denken oder sagen. Wir leben nur einmal. Zumindest dieses ganz besondere und einmalige Leben, falls du Budist oder Hinduist sein solltest.

Weiterführende Weblinks

Selbstverwirklichung im Leben (Maslow)

Selbstverwirklichung im Leben – die 12 Schritte von Maslow (plus Grundlage) (blueprints.de)

Sternstunde Philosophie – mit dem Philosophen Michael Hampe Selbstverwirklichung oder Selbstüberwindung

Sternstunde Philosophie – Michael Hampe: Selbstverwirklichung oder Selbstüberwindung? – Play SRF

Buch „Die Wildnis, die Seele, das Nichts“ von Michael Hampe

Die Wildnis, die Seele, das Nichts: Über das wirkliche Leben : Hampe, Michael: Amazon.de: Bücher

Artikel in welt.de „Was Sterbende bedauern“

https://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article114107576/Was-Menschen-im-Angesicht-des-Todes-bereuen.html#:~:text=Was%20Sterbende%20bedauern%2C%20m%C3%BCsste%20Ware%20zufolge%20den%20Lebenden,die%20falschen%20oder%20keine%20Entscheidung%20getroffen%20zu

Website von Bronnie Ware

Regrets of the Dying – Bronnie Ware

Als Audible Hörbuch „The five regrets of the dying“

the five regrets of the dying Hörbücher | Audible.de

YouTube Video mit Bronnie Ware zum Thema „The story of five regrets“ in englischer Sprache

THE STORY OF 5 REGRETS (and why you just need to take the first step): Bronnie Ware – YouTube

Die Psyche.de

Wie Selbstverwirklichung funktioniert (diepsyche.de)

YouTube Video zur Maslowschen Bedürfnispayramide

Bedürfnispyramide (Maslow) – einfach erklärt! – YouTube

Online Lexikon für Psychologe und Pädagogik

Selbstverwirklichung – Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik (stangl.eu)

Podcast Episode über Selbstverwirklichung von Johanna Hofestetter

089 | Was ist Selbstverwirklichung? – Lebe dein wahres Selbst – YouTube